Konzept & Geschichte

Konzept

Im Freien Schauspiel Ensemble bestimmen die Ensemblemitglieder Inhalt und Ästhetik ihres Theaters selbst. Sie haben Produktionsverhältnisse geschaffen, die eine lebendige, persönliche künstlerische Entwicklung ermöglichen. Zentrale kreative Kraft der Theaterarbeit ist der Schauspieler: seine ganz eigene Phantasie, seine Lebenserfahrung, seine Weltsicht, seine Emotionalität, seine Utopie. Die Künstler arbeiten als freie Mitarbeiter in unterschiedlichen Konstellationen über viele Jahre zusammen, lernen sich immer mehr kennen und vertrauen. Das macht sie sicherer und risikobereiter und ermöglicht immer neue inhaltliche und ästhetische Wagnisse.

Die Aufführungen entwickeln sich aus der engagierten Auseinandersetzung mit den Problemen unserer Zeit. Sie sind Leben in Großaufnahme: sensibel und analytisch, überraschend nah und provozierend authentisch. – Sie sind Versuche, mehr vom Menschsein zu begreifen und erfahrbar zu machen. Über Erscheinungsformen, Ursachen, Zusammenhänge und Widersprüche individuellen oder gesellschaftlichen Handelns. Immer mit der Hoffnung, dass Utopien und Ideale nicht aus dem Blickfeld geraten, dass aus dem Begreifen der Zusammenhänge Bewegung entsteht, kritische Auseinandersetzung, und dass Kraft und Mut mobilisiert werden, das eigene Leben und die gesellschaftliche Wirklichkeit in Frage zu stellen und zu verändern.

Die Ästhetik des Freien Schauspiel Ensembles besticht durch den Widerspruch zwischen einer sehr differenzierten psychologischen Spielweise der Schauspieler und einem großzügig gestalteten, oft sehr kargen, aber assoziationsreichen Bühnenraum, der die Schauspieler maximal ausstellt. So inhaltlich unterschiedlich die Projekte sind, so verlangen sie auch jeweils eine eigene Form, eine eigene Ästhetik, die es zu entdecken gilt. Jedes Projekt ist eine Angstpartie, eine neue Herausforderung. Auf Bewährtes kann nur begrenzt zurückgegriffen werden. Innovation ist Alltag.

Kurzbiografie

Das Freie Schauspiel Ensemble wurde 1984 von 7 Theaterschaffenden gegründet, die – nach 10 Jahren Berufspraxis an Städtischen Bühnen – ein eigenes Theater aufbauen wollten. Es ist ein Repertoiretheater mit ca. 7 Stücken im laufenden Programm, 3 Neuinszenierungen pro Spielzeit und ca. 80 Aufführungen im Jahr. Es war schon wenige Jahre nach seiner Gründung ein wesentlicher Bestandteil der Frankfurter Theaterlandschaft und wird immer wieder zu Gastspielen auf Festivals im In- und Ausland eingeladen (IMPULSE-Festival in NRW, Festspiele Recklinghausen, Klang Bogen Festival Wien, Experimentaltheater-Festival Kairo u. a.). Ein Höhepunkt seiner internationalen Theaterarbeit war das EU-geförderte dreisprachige Kooperationsprojekt „NACHTASYL. Treffpunkt der Träume“ mit dem polnischen Teatr im. Juliasza Slowackiego Krakau und dem slowenischen Prešernovo Gledališče Kranj. – Im Unterschied zu anderen freien Truppen wollte das Freie Schauspiel Ensemble primär Theater in Frankfurt für Frankfurt machen und strebte deswegen schon früh eine feste Spielstätte an. Nach 17 Jahren im Philanthropin hat das Ensemble 2010 im TITANIA in Bockenheim ein neues Domizil gefunden.

Über die Jahre ist ein inhaltlich reiches, ästhetisch vielgesichtiges  Repertoire entstanden. Nebeneinander stehen: das differenzierte Psychodrama „GIFT. EINE EHEGESCHICHTE“  von Lot Vekemans, die sprachgewaltige, aktualisierende Antiken-Bearbeitung „ATROPA. Der Fall Trojas“ von Tom Lanoye, der radikale Polit-Diskurs „ICH WERDE SEIN. Das Drama Rosa Luxemburg“, die szenische Recherche „TSCHERNOBYL. Eine Chronik der Zukunft“ der Nobelpreistägerin Swetlana Alexijewitsch oder das ganz und gar frei entwickelte Ensembleprojekt „DAS GLÜCK RAST HINTERHER“.

Von Anfang an hat sich das Freie Schauspiel Ensemble regelmäßig mit Autoren der literarischen Theateravantgarde auseinandergesetzt. Auch ästhetisch riskant experimentierende Bearbeitungen von Gedichtzyklen, Essays und Romanen für die Bühne gehören seit jeher zu den Höhepunkten des Spielplans: Hans Magnus Enzensberger „UNTERGANG DER TITANIC“, Barto Smith „EINE FRAU GRIECHISCHER HERKUNFT“, Christa Wolf „KEIN ORT. NIRGENDS“ u. a.

Das Freie Schauspiel Ensemble wirkt nicht nur mit seinen Inszenierungen in die Frankfurter Stadtgesellschaft hinein. Es hat seit seinem Einzug ins TITANIA dieses geschichtsträchtige Haus zu einem Ort des gemeinsamen Nachdenkens, der Auseinandersetzung, der Begegnung, des kulturellen und gesellschaftspolitischen Diskurses gemacht. Als Rahmenprogramm zu den Aufführungen werden Lesungen, Ausstellungen, Publikumsgespräche, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen veranstaltet. Bundestagsabgeordnete, Wissenschaftler, Künstler,  Experten aus Industrie und Wirtschaft, Sprecher von Bürgerinitiativen, Umweltverbänden, Sozialeinrichtungen – suchen mit dem Publikum Antworten auf die von den Theatervorstellungen aufgeworfenen Fragen.

Produktionen

ICHGLAUBEANEINENEINZIGENGOTT.HASS / 2017
von Stefano Massini

FAUST / 2016
von Johann Wolfgang von Goethe

DAS GLÜCK RAST HINTERHER / 2016
Fünf Schauspieler auf der Suche

DER WEG ZUM GLÜCK / 2015
von Ingrid Lausund

UNSCHULD / 2015
von Dea Loher

Koproduktion mit beatnik
DIE SCHAUKEL / 2015
von Edna Mazya

ICH MÖCHTE LIEBER NICHT / 2015
nach Herman Melvilles „Bartleby“

TSCHERNOBYL / 2014
nach dem Buch „Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch

GIFT. EINE EHEGESCHICHTE / 2013
von Lot Vekemans

DAS HIMBEERREICH / 2013
von Andres Veiel

GILGI. EINE VON UNS / 2013
von Irmgard Keun

ATROPA. DIE RACHE DES FRIEDENS. DER FALL TROJAS / 2012
von Tom Lanoye

DER MENSCHENFEIND / 2012
Eine Komödie von Molière

PEGGY PICKIT SIEHT DAS GESICHT GOTTES / 2012
von Roland Schimmelpfennig

ICH WERDE SEIN / 2011
Das Drama Rosa Luxemburg

Koproduktion mit dem Cercle Germano Malagasy
VAKIVAKIN-TSINY // DER ZERBROCHENE KRUG / 2012
ein madagassischer Fernsehfilm nach dem Lustspiel
von Heinrich von Kleist

ZEIT DES VERSCHWINDENS / 2011
von John von Düffel

KASPAR HÄUSER MEER / 2010
von Felicia Zeller

DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE / 2010
von Bertolt Brecht

DER THEATERMACHER / 2010
von Thomas Bernhard

ROSMERSHOLM / 2009
von Henrik Ibsen

FERNWEH! / 2008
Eine Schlager-Revue für alle ewig Urlaubsreifen

SZENEN EINER EHE / 2008
von Ingmar Bergman

RABENKIND / 2008
von Bert Strebe

KEIN ORT. NIRGENDS / 2007
von Christa Wolf

DREI MAL LEBEN / 2007
von Yasmina Reza

ELEKTRA / 2007
von Hugo von Hofmannsthal

Europäisches Theaterprojekt in Koproduktion mit
Teatr im. Juliusza Slowackiego Krakau (PL)
Prešernovo Gledališče Kranj (SI)
NACHTASYL / 2006
nach Maxim Gorki

DER PROZESS / 2006
von Franz Kafka

Koproduktion mit KlangBogen Wien
EINE FRAU GRIECHISCHER HERKUNFT / 2005
Dramatischer Monolog in Gedichten von Tzimon Barto

Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
DIE ZEIT DER SCHILDKRÖTEN / 2005
von Kerstin Specht

DIE GERECHTEN / 2004
nach Albert Camus

KUNST / 2004
von Yasmina Reza

HIROSHIMA MON AMOUR / 2003
von Marguerite Duras

GLAUBE LIEBE HOFFNUNG / 2003
von Ödön von Horváth

DER KONTRABAẞ / 2003
von Patrick Süßkind

DIE FRAU VOM MEER / 2002
von Henrik Ibsen

TÄGLICH BROT / 2002
von Gesine Danckwart

DER TOD UND DAS MÄDCHEN / 2001
von Ariel Dorfman

KAMPF DES NEGERS UND DER HUNDE / 2001
von Bernard-Marie Koltès

GOTT IST EIN DJ / 2000
von Falk Richter

MEDEA / 2000
nach dem gleichnamigen Roman von Christa Wolf

BRUDER EICHMANN / 2000
von Heinar Kipphardt

Koproduktion mit dem Theater Willy Praml
EGMONT / 1999
von J. W. von Goethe

Koproduktion mit dem Theater Willy Praml
WAHLVERWANDTSCHAFTEN / 1999
nach dem gleichnamigen Roman von J.W. von Goethe

BRIEF EINER UNBEKANNTEN / 1998
von Stefan Zweig

PTERODACTYLUS / 1998
von Nicky Silver

DOSSIER: RONALD AKKERMAN / 1997
von Suzanne van Lohuizen

HEUTE NACHT ODER NIE / 1997
Fragmente einer Diva. Chansons der Ufa-Stars

DIE FREMDENFÜHRERIN / 1996
von Botho Strauß

ICH ZIEH MICH AN UND LANGSAM AUS / 1996
One Woman Show

LEONCE UND LENA oder WIR HABEN WOHL ALLES ANDERS GETRÄUMT / 1996
nach Georg Büchner

FRAUEN BRECHT MÄNNER / 1995
Lieder und Lyrik von Bertolt Brecht

LEDERFRESSE / 1995
von Helmut Krausser

COSI FUN TUTTI / 1994
Eine musikalisch-literarische Revue

DAS FIEBER / 1994
von Wallace Shawn

NACHTWACHE / 1992
von Lars Norén

A MELANGE, A MUSI, A MELANCHOLIE / 1992
Wiener Kaffeehaus-Literatur und a bisserl mea

DER MENSCH, DAS TIER UND DIE TUGEND / 1991
von Luigi Pirandello

DIE ZOOGESCHICHTE / 1991
von Edward Albee

DER SIEGER / 1990
nach Nikolai Gogols „Tagebuch eines Wahnsinnigen“

KASPERL AM ELEKTRISCHEN STUHL / 1990
von Konrad Bayer

SO SCHÖN…SCHÖN WAR DIE ZEIT / 1989
Eine Schlagerrevue der 50er und 60er Jahre

ICH HABE SEHNSUCHT NACH LUFT UND LACHEN / 1989
Eine Lesung aus dem Tagebuch der Anne Frank

ANTIGONE ODER DER UNTERGANG DER ALTEN WELT / 1989
nach Aischylos/Sophokles/Hölderlin

DIE FREUDEN DER LIEBE, SIE DAUERN NUR EIN ‘HUI / 1988
Texte und Lieder über die Liebe

AGATHA / 1988
von Marguerite Duras

SPIEL’S NOCH MAL, SAM / 1987
von Woody Allen

DIE ZOFEN / 1986
von Jean Genet

MEIN HERBERT / 1985
von Herbert Achternbusch

DER UNTERGANG DER TITANIC / 1984
von Hans Magnus Enzensberger