WAISEN

Dannys und Helens romantisches Abendessen wird jäh unterbrochen, als Helens Bruder Liam blutüberströmt ins Zimmer platzt. Nicht sein Blut, sagt er. Auf der Straße sei ein Junge niedergestochen worden, er habe ihm bloß geholfen. Danny will die Polizei rufen. Helen hindert ihn daran. Schließlich ist Liam vorbestraft, da ist es besser, keine Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Danny lässt sich überreden, seinen Schwager zu schützen und ahnt nicht, in welch fatales Geflecht aus Halbwahrheiten, Lügen und Liebe er sich damit verstrickt. Die Lüge hat Bestand, bis das Spiel um Wahrheit für alle Beteiligten zu Konsequenzen führt, die die Spieler, da emotional, moralisch und intellektuell unfähig, nicht kontrollieren können: Ein Unbeteiligter wird gefoltert, das ungeborene Kind soll abgetrieben werden.

An dieser Stelle, an dieser scheinbar unausweichlichen Stelle der menschlichen Verkrüppelung, die für die heutige Zeit des besonders einfachen Haben um des Habens Willen kennzeichnend ist, möchte die Inszenierung angreifen. Sie möchte ihren Beitrag dazu leisten, diesen vielleicht nur allzu menschlichen Spalt zwischen unvermeidlicher menschlicher, gewalttätiger Realität (jene, die eben unteilbar zu uns gehört) und Flucht, Feigheit, Gleichgültigkeit und gesellschaftlicher Ignoranz, und damit womöglich das Gewalttätige an sich, zu beleuchten.

ORPHANS
by Dennis Kelly
beatnik in co-production with Freies Schauspiel Ensemble

Cast David Földszin, Randi Rettel, Daniel Schwingel
Director beatnik (Adrian Scherschel)

Reviews

Premiere 09. December 2017
Duration 1 hour 45 minutes with no interval