ARENDT. DENKEN IN FINSTEREN ZEITEN

Am 18. April 1975 trifft Hannah Arendt, aus New York anreisend, in Kopenhagen ein. Sie soll den renommierten Sonning-Preis erhalten, die wichtigste dänische Auszeichnung für kulturelle Leistungen. Diesen Anlass wählt Rhea Leman als Ausgangspunkt ihres Stückes. Wir erleben Hannah Arendt kurz vor der Preisverleihung in ihrem Kopenhagener Hotelzimmer. Was soll sie dem Preiskomitee antworten? Welches Thema soll ihre Dankesrede prägen? Rasch und wie im Traum entwickelt sich das Hotelzimmer zur Bühne ihres Lebens. Wir begegnen Hannah Arendt in entscheidenden Situationen, erfahren von ihrer Vertreibung aus Deutschland, ihrer Verhaftung in Frankreich, ihrer Flucht in die USA, vom Leben im Exil. Wir lernen ihr Denken kennen und wie sie Entscheidungen trifft. In Dialogen mit ihrem verstorbenen Ehemann Heinrich Blücher oder dem israelischen Chefankläger im Eichmann-Prozess, Gideon Hausner, begegnen wir einer Frau, die sich um der Wahrheit willen nicht schont.

Vor fünfzig Jahren, am 8. Dezember 1975, starb Hannah Arendt in New York. Seit 1941 lebte sie im Exil in den USA, lehrte und schrieb auf Englisch, wobei Deutsch jedoch Ihre Muttersprache blieb. Mit ihren Büchern, Essays und Reden erreichte sie unzählige Menschen in Deutschland: Sie machte ihnen Mut, den eigenen Weg zu gehen und zugleich offen zu bleiben für das Denken und Fühlen der anderen. Freiheit und Gerechtigkeit hatte sie dabei stets im Blick. Arendt versuchte, politische Ereignisse, gesellschaftliche Prozesse und individuelles Handeln zu verstehen und präzise zu beschreiben. Sie begeisterte ihre Leser – und schockierte sie gleichzeitig immer wieder durch ihre schonungslose Klarheit, etwa in „EICHMANN IN JERUSALEM. EIN BERICHT VON DER BANALITÄT DES BÖSEN“.

Gerade heute, in einer Zeit vielschichtiger Wirklichkeiten, wachsender Orientierungslosigkeit und existenzieller Überforderung, ist es wichtig, sich mit einer Denkerin zu beschäftigen, die sich einfachen Freund-Feind-Schemata verweigerte, die Schwarz-Weiß-Denken misstraute – und die sich Zeit nahm. Zeit zum Hinsehen. Zeit zum Verstehen.

ARENDT. DENKEN IN FINSTEREN ZEITEN
von Rhea Leman

Premiere 7.03. 2026
Sa, 14.03.2026, 20 Uhr
Fr, 20.03.2026, 20 Uhr
Sa, 21.03.2026, 20 Uhr
Fr, 17.04.2026, 20 Uhr
Sa, 18.04.2026, 20 Uhr
Sa, 25.04.2026, 20 Uhr
So, 26.04.2026, 18 Uhr

Es spielen
Bettina Kaminski
Ives Pancera
Adrian Scherschel
Inszenierung
Reinhard Hinzpeter
Bühne
Linnan Zhang
Kostüme
Ives Pancera
Fotos
Felix Holland
Regieassistenz
Olivia Ford

Bühnenrechte
Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH
Übersetzung
Henning Borchert