Geschichte

Um 1900 entsteht der Gebäudekomplex in der Basaltstraße 23, Eigentümer sind die „Eiswerke vorm. Haak“. Das Erdgeschoss des fünfstöckigen Vorderhauses wird als Gaststätte genutzt und ist über einen Zwischenbau mit dem Festsaal im Hinterhaus, dem heutigen TITANIA, verbunden. In den folgenden Jahren übernimmt der „Frankfurter Bürgerbrauverein“ die Liegenschaft. Die Gaststätte wird fortan von dem Wirt Hans Müller unter dem Namen „Zur Liederhalle“ geführt, der den angeschlossenen Saal für Tanzveranstaltungen und größere Vereinsfeiern nutzt.

Die „Liederhalle“ wird in dieser Zeit zu einer der größten Veranstaltungssäle Frankfurts, insbesondere für politische Zusammenkünfte. Sie ist das Stammlokal der Frankfurter Sozialdemokraten. In den Räumen der „Liederhalle“ befindet sich ab 1907 auch die vereinigte Bibliothek der Bockenheimer Gewerkschaften und der Sozialdemokratie.

„Bockenheim hat als Arbeiterwohnort eine lange politische Tradition und war Zentrum sozialdemokratischer und gewerkschaftlicher Aktivitäten. Oft wurden die Erlöse der Veranstaltungen für die politische Arbeit oder verfolgte Parteifreunde und deren Familien verwendet. Trotz des Sozialistengesetzes organisierten sich die Sozialdemokraten; zwei aktive Sozialdemokraten späterer Jahre waren Ernst Mulansky und Konrad Broßwitz (vgl. Straßennamen in Bockenheim), die bereits zu Beginn des Dritten Reichs verhaftet und wurden und im KZ Dachau ermordet wurden.“ H.-D. Schat in „Mulanskystraße 23 – Das Haus und sein Stadtteil“

Am 26. September 1913 hält Rosa Luxemburg in der völlig überfüllten „Liederhalle“ eine leidenschaftliche Rede über „Die politische Situation und die Aufgabe der arbeitenden Klasse“ und fordert die Frankfurter Arbeiter auf, sich zu weigern, gegen ihre französischen Brüder die Waffe zu erheben: „Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffe gegen unsere französischen oder anderen Brüder zu erheben, dann rufen wir: Nein, das tun wir nicht!“ Der anwesende Journalist Henrici, der für die antisemitische Zeitung „Frankfurter Warte“ schreibt, denunziert Luxemburg. Im Februar 1914 wird Rosa Luxemburg wegen „Aufruf zur Befehlsverweigerung“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Während des ersten Weltkriegs dient die „Liederhalle“ als Lazarett, in dem die Verwundeten aus den Feldlazaretten in ihren Heimatbezirken gesund gepflegt werden.

Nach dem Krieg erwirbt der Wirt Hans Müller die „Liederhalle“ und baut diese im Jahr 1928 zu einem Lichtspieltheater um, die Gaststätte wird eingeschränkt weitergeführt. 1941 wird der „Titania-Lichtspielpalast“ umfangreich modernisiert und die Gastwirtschaft muss dem neuen Kinofoyer mit Nebenräumen weichen. Der Gebäudekomplex übersteht den zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet, in den 1950er Jahren wird das Kino nochmals modernisiert, muss 1977 jedoch aus wirtschaftlichen Gründen seine Pforten schließen. Die Alt-Katholische Gemeinde erwirbt 1985 den gesamten Gebäudekomplex von der Familie Müller und veräußert den Kinosaal mit Hoffläche und Tordurchfahrt an die Saalbau GmbH der Stadt Frankfurt. 1987-89 wird der Kinosaal, die ehemalige „Liederhalle“, zum Bürgertreff TITANIA umgebaut.

In Zusammenarbeit mit der FAAG, der Saalbau GmbH und dem Kulturamt der Stadt Frankfurt baut das FREIE SCHAUSPIEL ENSEMBLE das TITANIA zu einem Theaterraum um. Im Herbst 2010 bezieht das FREIE SCHAUSPIEL ENSEMBLE sein neues Domizil und eröffnet die erste Spielzeit im neuen Haus mit DIE HEILIGE JOHANNA DER SCHLACHTHÖFE.